In meinem zweiten Post über die Theologie der Straße möchte ich einen kurzen Abriss über das Thema Theologie allgemein geben. Da es falsche und unvollständige Definitionen von der Theologie selbst gibt, ist am Anfang ein bißchen Denkarbeit angesagt. Wir werden uns natürlich mit der christlichen Theologie beschäftigen. Vielen werden diese Gedanken überhaupt nicht neu sein
Eine sehr gute Definition von Theologie habe ich bei Wikipedia gefunden:
Die Theologie (griechisch θεολογία, von θεός, theós – der Gott bzw. θεά, theá – die Göttin und λόγος, lógos – hier im Sinne von die Lehre) ist wörtlich die Lehre von Gott, allgemeiner die Lehre von Glaubenssystemen und Glaubensdokumenten.
Ein paar Beobachtungen aus diesem Text. Erstens handelt es sich hier um Gott, nicht um den Menschen – auch wenn die Theologie große Auswirkungen auf das menschliche Leben haben kann (z. B. die „praktische Theologie“). Zweitens ist es eine Lehre – es sind menschliche Worte über Gott. Wir müssen uns im Klaren sein, dass keine Theologie der Welt vollständig Gott beschreiben und seine Wesensmerkmale zusammenfassen kann. Paulus, in seinem Diskurs über die Erwählung des Volkes Israels und das große Thema über Gottes Souveränität über den Menschen, schreibt dann:
Wie wunderbar ist doch Gott! Wie unermesslich sind seine Reichtümer, wie tief seine Weisheit und seine Erkenntnis! Unmöglich ist es uns, seine Entscheidungen und Wege zu begreifen! Denn wer kann wissen, was der Herr denkt? Wer kann sein Ratgeber sein? Und wer hat Gott jemals so viel gegeben, dass Gott ihm etwas zurückerstatten müsste? Denn alles kommt von ihm; alles besteht durch seine Macht und ist zu seiner Herrlichkeit bestimmt. Ihm gehört die Ehre in Ewigkeit! Amen. (Römer 11,33-36)
Also kann man doch nichts von und über Gott wissen? Wenn er der Töpfer und wir der Ton sind – haben wir keine Chance ihn zu begreifen und ihn zu verstehen. Falsch. Hier kommt nun die biblische Vorstellung von Offenbarung ins Spiel. Können wir etwas über Gott wissen? Nein… nur wenn er uns „Informationen“ über sich selbst gibt, nur wenn er sich uns Menschen offenbart.
Ich habe deinen Namen diesen Menschen offenbart. (Joh 17,6)
Zusammenfassung: Obwohl wir nicht alles über Gott wissen können, gibt es trotzdem Dinge, die wir wissen können: das, was er uns Menschen offenbart. Deshalb muss ich immer ein bißchen schmunzeln, wenn ich von Christen höre, die sich als (radikale) Dekonstrutivisten bezeichnen – weil damit die Offenbarung in sich zusammenfällt. Wenn man seine eigene Welt lediglich „erträumt“, kann es keinen Raum für Gottes Offenbarung an uns geben. Es gibt keine Theologie, es gibt keinen Gott
Deshalb ist die erste Frage an christliche Theologen diese: woher hast du deine Informationen? Worauf baust du deine Theologie (die sowieso unvollständig ist)? Auf dem menschlichen Verstand? Auf weltlichen Beobachtungen? In Erfahrungen? In der Bibel? Die Frage ist sicherlich nicht leicht zu beantworten. Die Antwort „Ja, ich baue meine Theologie nur anhand der Bibel“ ist selbstbetrügerisch.
Natürlich besteht jetzt die Frage, inwiefern die Theologie von der Philosophie oder Erfahrung beeinflusst ist, bzw. sein sollte? In meiner Lektüre von Johannes Calvins „Unterricht in der christlichen Religion“ war ich überrascht, dass er seine Theologie auf philosophische Gedankengänge gebaut hat: Man kann etwas wissen… deshalb können wir von uns wissen, dass wir imstande sind, zu wissen… deshalb ist unser Wissen unvollkommen… deshalb brauchen wir einen „Besserwisser“, Gott! Calvin hat mich echt aus den Socken gehauen – er hat mir einiges aus dem Calvinismus klar gemacht: Glaube nie einen Calvinisten, wenn er sagt dass seine Theologie rein biblisch ist – wahrscheinlich bestehen seine Gedankengänge oft nur aus philosophischen Schlussfolgerungen, die sich biblisch nicht behaupten lassen.
Die Behauptung, dass nur die philosophiefreie biblische Theologie „richtig“ sei, ist falsch. Denn die Theologie wird sich immer auf die Philosophie stützen… weil die Philosophie in menschlichen Köpfen stattfindet. Welchen Unterschied gibt es denn zwischen Theologie und Philosophie? Nun, der große Theologe Thomas von Aquin würde antworten: „Es kommt daran, wo wir anfangen: die Philosophie fängt mit menschlichen Empfindungen an – z. B. die Sinne oder das Nachdenken. Da wir Menschen „Erfahrungswesen“ sind – spielt die Philosophie deshalb in der Religion keine mindere Rolle. Die Theologie jedoch fängt mit der göttlichen Offenbarung an. Und hier die Moral der Geschicht’: ohne die Philosophie ist es nicht möglich, Theologie zu betreiben. Die Philosophie ist jedoch eine sehr wackelige Grundlage, weil sie sich auf subjektive Empfindungen stützt. Deshalb Vorsicht, welche Philosphie du dir ‘aussuchst’!“ Ein gutes Beispiel ist die Dreieinigkeit – eine biblische Idee, die philosophisch unlogisch und nicht ergründbar ist.
Später werden wir uns die drei „Zweige“ der Theologie anschauen – welche Bedeutung sie haben, und wie wir von einer unrelevanten zu einer Straßentheologie kommen.
Theologie ist praktisch: besonders in diesen Zeiten… Auch wenn du dich für Theologie nicht interessierst heißt das nicht, dass du keine Gedanken über Gott hast. Es wird bedeuten, dass du viele falsche Gedanken über ihn hast… schlechte und altmodische Ideen. C. S. Lewis (Pardon, ich bin Christ)
Empfehlenswerter Link: Philosophy and Christian Theology (die Beziehung zwischen der Philosophie und der Theologie, englisches Artikel)
Hier könnt ihr nun meine Arbeit über die Emerging Church als PDF herunterladen. Ist 31 Seiten lang, habe ich für meinen B.Th. im Fachgebiet Mission geschrieben. Ist noch nicht von meinem Dozenten bewertet worden – also kann es hier und da einiges enthalten, dass ich später herausnehme. Denke trotzdem, das es eine gute und ausgewogene Abhandlung über die Emerging Church ist. Also viel Spaß beim Lesen… ich wäre immer für Lob oder Kritik offen. Verschickt es weiter, wenn ihr es wollt… wäre cool, wenn ich es irgendwann irgendwie veröffentlichen könnte.

