Habe vor einigen Wochen im Focus einen echt coolen Artikel gelesen über Netzwerke. Ich bin ehrlich gesagt ein ziemlicher Loser wenn es um Soziales geht, deshalb hat mich dieser Artikel so faszinert. Aber gerade besonders auch, weil der Artikel mit dem Apostel Paulus anfing:
Zwar war es Jesus, der übers Wasser ging, aber ohne Paulus hätte davon niemand etwas erfahren. Während die Urchristen in Jerusalem ausharrten, reiste Paulus bis nach Rom und wurde der wichtigste Missionar des jungen Glaubens. Um seine Botschaft unters Volk zu bringen, nutzte Paulus Kontakte, die er in seinem Leben als Pharisäer Saulus gesammelt hatte. Und siehe da: Ohne das Netzwerk des Apostels wäre der Glaube an die Nächstenliebe wahrscheinlich niemals über die Grenzen Palästinas gekommen. Focus, Nr. 29, 2006, S. 81

Paulus als Netzwerker, da gingen mir alle Lichter auf. Natürlich ist es wahrscheinlich nicht das erste Mal, das ich das gehört habe. Aber bei mir haben alle Glocken geläutet. Ok, gut, Gott hätte das natürlich auch irgendwie ohne Paulus schaffen können. Aber die Welt wäre mit Petrus wahrscheinlich nicht evangelisiert worden. Er war einfach nicht der Typ dazu. Die zwölf Apostel brauchten einen Netzwerker. Klar, die Apostelgeschichte ist nichts anderes als ein Logbuch über die Beziehungen und Netzwerke, die nach der Himmelfahrt Jesu entstanden sind (von Jerusalem bis nach Rom).
Der Artikel gibt dann fünf Tipps, wie man sein Netzwerk-Potential erhöhen kann:
- Suche Gelegenheiten, mit Menschen eine Beziehung einzugehen, egal wie wichtig oder unwichtig diese Personen sind.
- Sei wie der Pate: Frage, was du für sie tun kannst. Irgendwann wird dann der Tag der großen Abrechnung kommen, wo du die Beziehung vorteilhaft (für dich) benutzen kannst.
- Seie jemand, der Menschen unterschiedlicher gemeinsamer Interessen verbindet und neue Netzwerke schafft.
- „Schmuggle“ dich in Netzwerke, die es schon gibt (im christlichen Kontext wären das Hauskreise, Cliquen usw.)
- Pflege die Kontakte die du hast. Per Anruf, eMail, SMS oder Brief. Gib ihnen eine kleine Aufmerksamkeit, dass du sie nicht vergessen hast.
Natürlich hört sich davon einiges sehr krass an, weil es einen verleitet, andere Menschen auszunutzen. Und aus persönlicher Erfahrung aus der Geschäftswelt weiß ich, dass dies auch rege getan wird. Aber ich denke dass wir nicht nur daran arbeiten müssen, Beziehungen zu haben, sondern auch gute, gesunde und wirkungsvolle Beziehungen zu haben. Am Ball zu bleiben.
Konkretisiert auf den (zumeist) wirtschaftlichen Bereich bedeutet der systemtheoretische Ansatz [von Netzwerken] eine Abkehr von herkömmlichen, hierarchisch-dirigistisch gesetzten Organisationsstrukturen und eine Hinwendung zu Kooperation und Koordination in Netzwerken in Wirtschaft und Gesellschaft. Aus Wikipedia.
Gerade das ist meine jetztige Erfahrung mit NewLife. Dirigierte-hierarschische Events sind nichts so angesagt wie Grillparties oder spontane Treffs. Natürlich muss man da irgendwo ein Mittelweg gehen, aber vielleicht wir die Emerging Church viel flüssiger, dezentral, als wir es uns vielleicht wünschen (weil wir es hassen, Autorität, Anerkennung und die Früchte unserer Arbeit abzugeben).
Was ich mir für die nächsten Monate und Jahre wünsche:
- Geplante Open-Source Networking-Events für junge Gemeindegründer und -Leiter. Ohne besondere Einladungen, ohne Geld, ohne Programm. Nur „Visitenkarten“ austauschen.
- Eine Art christlicher OpenBC für christliche Leiter und Gruppen.
- Vielleicht weniger Betonung auf die klassische Evangelisten-Ausbildungsformen wie Überredungskunst, Rhetorik oder Argumentation – und mehr Wertschätzung von Networking-Skills.
- Für mich persönlich eine klarere Strategie für mein Leben und meinen Dienst – das entdecken meines Netzwerk-Potentials.
Hat da draußen im Cyberspace vielleicht schon gute Erfahrungen? Empfehlenswerte Literatur? Gruppen, Vereine, bereits bestehende Netzwerke?
Das Gesicht der Medienwelt verändert sich drastisch. High-End Technologie wird alltagsgebräuchlich. MP3-Player, DVD-Recorder mit integrierten Festplatten, hochauflösenden HDTV-Ready Fernsehbildschirmen sind keine Dinge der Zukunft, sondern der Realität. Die Firmen kloppen sich um die Kunden, um den Preis so weit herunter wie möglich zu treiben. Neue Standards werden entwickelt, neue Möglichkeiten werden erforscht. Natürlich hat nicht jeder Deutsche all diese Technik im Wohnzimmer – aber sie ist ihm nicht mehr fremd. Wer heutzutage nie von Mp3 gehört hat, hatte damals in den 80ern wahrscheinlich noch einen schwarz-weiß Fernseher.
Ich kommt immer mehr zu der Überzeugung, dass Botschaften von der Art und Weise verändert werden, wie sie präsentiert werden. Der Satz „die gleiche Botschaft, andere Ausdrucksformen“ scheint nicht so zu stimmen, wie es Gemeindemarketingexperten es uns immer gesagt haben. Weil sich die Botschaft immer ein Stückweit mit dem verändert wird, wie sie präsentiert wird. Das neue Buch „




