Soomas altes Blog

newlifechurch

  • 11:26:33 on Oktober 7, 2006 | # | 3

    Bereite gerade die Predigt für Sonntag vor. Gott mit dem Gehirn lieben, also mit dem Verstand. Ich denke dass der Anti-Intellektualismus unter Christen sehr weit verbreitet ist. Glaube, so sagen viele, habe nichts mit Wissen zu tun. Glaube steht im direkten Widerspruch zu Wissen. Die Christliche Religion beruht auf Emotionen, Erlebnissen und Gefühlen.

    Damit gibt es aber einige Probleme:

    • Was ist mit anderen Religionen? Ihre Anhänger verspüren auch religiöse Gefühle und haben sicherlich auch „Übernatürliches“ erlebt.
    • Was unterscheidet dann den Glauben an Gott vom Glauben an der Zahnfee oder dem Nikolaus? Hauptsache glauben, ohne Anhaltspunkte in der Realität?
    • Es wird unterschätzt, dass es viele „Kopfchristen“ gibt, die eher über den Intellekt angesprochen werden, als über Gefühle. Was passiert mit diesen Christen? Sie stehen zwischen zwei Welten, sind intelektuell unzufrieden.
    • Das Christentum ist im Westen zu einer „Mädchenreligion“ geworden, der viele kognitiv geprägte Menschen unzufrieden lässt. Charismatiker gibt’s für die Gefühle… wen gibt es für den Verstand?

    Ich denke dass Wissen nicht it Glauben in Konflikt steht. Aber ich denke dass der Glaube über Wissen hinausgeht. Jesus sagte: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand… (Lukas 10,27). Wie C. S. Lewis, eines der größten christlichen Denker des letzten Jahrhunderts sagte, mag Gott keine Faulheit, besonders keine intellektuelle Faulheit.

    Viele Christen haben auch Angst davor, ihren Glauben faktisch zu hinterfragen – weil sie sich vor den Antworten fürchten. Was passiert, wenn mein Glaube vielleicht doch falsch ist? Deshalb setzen sich Christen nicht mit anderen Religionen auseinander.

    Wenn sich die Aussagen Jesu, sein Leben, sein Tod und Auferstehung nicht historisch ergründen lassen, dann sollten wir diesen Jesus abhaken und etwas anderes tun. Es wäre nur eine Illusion, eine tote Religion, ein Kult. Gott hat aber keine Angst vor Fragen – Gott hat keine Angst vor anderen Religionen. Gott hat keine Angst davor, dass ich einen Koran in meinem Bücherregal stehen habe. Wenn Jesus die ultimative Wahrheit ist, dann brauchen wir uns nicht zu fürchten, die volle Wahrheit zu suchen, wo auch immmer sie zu finden ist.

     

Comments

  • kapeka 12:00 on 7 Oktober, 2006 | #

    Gute Gedanken! Ich wollte zu dem Thema auch was schreiben, weil das ja momentan wieder aktuell wird.
    Es ist schon interessant, wie sehr wir Christen uns einschüchtern lassen und uns einreden lassen, unser Glaube sei auf tönernen Füssen gebaut.
    Ich hoffe, dass wir uns auch intelektuell etwas mehr zutrauen in der Zukunft und ein Gleichgewicht finden zwischen Gefühl und Verstand.

  • Simon 1:08 on 7 Oktober, 2006 | #

    Ein Proff von mir hat mal gesagt, Theologie treiben hieße, Gott mit dem Verstand zu lieben. Fand ich gar nicht schlecht, da ich gerne theologisch arbeite.

  • Roman 12:00 on 7 Oktober, 2008 | #

    Hallo Sooma,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin sehr erleichtert, dass ENDLICH jemand dieses Problem anspricht!

    Im Moment bin ich in einer wahren Glaubenskrise. Zweifel und drängende Fragen machen mich krank und depressiv. Bisher habe ich dieses Problem verdrängt. Mein direktes Umfeld kann mir keine Antworten geben.
    (Meine Fragen würden eher Schaden anrichten…)

    Aber wenn ich es mit dem Kopf nicht begreifen kann, dann ist es nutzlos für mich. Nichts als Dekoration. Krass ausgedrückt, so gerne ich auch wollte, ich kann „Jesus nicht in mein Herz“ lassen, solange ich ihn nicht auch mit dem Kopf begriffen habe… Verstehen Sie?

    Es sind Fragen wie:

    - Gibt es Gott?
    - Gott/Glauben/Religion und Wissenschaft
    - Das Übel in der Welt
    - Hört Gott Gebete und erfüllt er Bitten?

    Ich bitte nicht um eine Antwort von Ihnen, ein Literaturtipp würde reichen.
    (Ich möchte es mit C.S. Lewis versuchen.)

    D.h, natürlich nur wenn Sie mich nicht bereits für „hoffnungslos verloren“ halten…

    Sie haben geschrieben „historisch ergründen“. Ich würde es ergänzen auf „logisch begründen“…

    Freundliche Grüße!


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