newlifechurch
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12:59:15 on Mai 31, 2006 | # |
Ich bekam neulich einen komischen Brief, in der eine Bekannte eine Prophezeiung über mich geschrieben hat. Ich wusste erst einmal nicht, wie ich damit umgehen sollte. Die „Prophezeiung“ war ziemlich vage, also sehr ungenau. Sie betraf mich und meine Frau, was ich sehr komisch fand.
Gibt es heutzutage noch Wunder, Prophezeiungen oder Zungenreden? Das ist eine gute Frage. Ich denke schon. Ich denke dass die Zeichen gaben im Gegensatz zu den Anfängen der Urgemeinde abgenommen haben. Aber ich denke dass es sie noch hier oder da gibt.
In diesem Fall bin ich traurig über diese Person, die diesen Brief geschrieben hat. Ich weiß, dass diese Person das nicht zum ersten Mal gemacht hat. Ich finde es traurig, dass man seinen ganzen Glauben darauf begründet und immer eine Art göttliches „Shock and Awe“ braucht. Würde ich Gott folgen, auch wenn ich keine Wunder erleben würde? Glückselig, die nicht sehen, aber dennoch glauben. Aber ich danke Gott, dass er uns im Leben trotzdem Zeichen gibt, als Belohnung dafür, dass wir ihm glauben, auch wenn wir ihn nicht sehen.



ben 5:56 on 31 Mai, 2006 | #
frage, warum sollen sie seit der Urgemeinde abgenommen haben? ist das ein theologisches oder ein empirisches Urteil?
Danny 9:17 on 31 Mai, 2006 | #
Ich denke beides. Gott gibt Wunder und Zeichen wie er will. Wunder und Zeichen sind dazu da, Gottes Wort zu bestätigen: „Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.“ Diejenigen, die heute das Wort Gottes bestätigen, ist die Gemeinde selbst – durch ihre Liebe zueinander und zur Welt.
Empirisch ist es offensichtlich, dass boom-bang-Zeichen weltweit abgenommen haben. Sogar in der späteren Urgemeinde gab es weniger als im Beginn. Wie wir wissen, haben heutige sog. Wunder mit echten Wundern, wie im NT, wenig zu tun. (Obwohl ich wahrscheinlich jetzt von einigen meiner Pfingstfreunde den Po versohlt bekomme
)
Glaube ich, dass es heute Zungensprachen gibt, oder Wunder, Prophetien gibt? Klaro. Aber das ist alles nebensächlich.
„Strebt aber nach den größeren Gaben! Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen: die Liebe (1Kor 12+13)“
ben 9:26 on 2 Juni, 2006 | #
naja, ich find halt, wir machen es uns oft zu einfach mit den Gaben, Wundern und Zeichen. Sie kommen halt nicht vor, und theologisch findet sich kaum was, aber mit ein bisschen Heilsgeschichte lässt sich gut eine Erklärung zusammenbasteln, warum wir sie nicht erleben. Naja und dann überlassen wir das hier in Mitteleuropa den krassesten Charismatikern. Ich sehne halt mich nach diesem Mittelweg, wo man alles von Gott erwartet und erhofft, und dann auch erlebt, ohne gleich noch Health ‘n Wealth und so’n Zeug mitzunehmen. Aber irgendwie, besonders in Deutschland oder Österreich, da kriegen wir das nicht auf die Reihe und die Leute wollen entweder gleich Röhrnbach oder aber gar nix von Wundern wissen. Find ich schade!
francis 3:44 on 2 Juni, 2006 | #
meine pfingstfreunde würden dir auch den po versohlen
– aber im ernst, das ist ja echt ein fetter streitpunkt. es gibt ja nicht wenige leute, die behaupten, heute gäbe es überall und ständig wunder. gerade charismatiker sind da ja ganz schnell dabei, wunder zu erkennen. und wenn es eben in europa so wenig gibt, dann liegt es daran, dass wir kein feuer mehr haben. andere wiederum sage ja, dass mit der biblischen zeit, das zeitalter der wunder weitesgehend vorbei ist.
ich selbst weiß es nicht so recht. ich bin da sehr unsicher, aber ich würde schon z. b. meine bekehrung als wunder bezeichnen. aber gerade im bereich der heilungen gibt es da ja so viel missbrauch, auch in deutschland, dass ich da sehr vorsichtig bin.
und wenn ich bücher lese wie „heavenly man“, die vor wunder nur so strotzen, dann komm ich nicht umhin daran zu zweifeln, weil mir das irgendwie unheimlich ist. aber vielleicht bin ich da auch nur zu europäisch veranlagt.
Danny 4:09 on 2 Juni, 2006 | #
Gute Gedanken. Hier noch einiges von mir:
1. Ich kann es nicht genug wiederholen, dass ich nicht daran glaube, dass Wunderzeichen aufgehört haben.
2. Ich werde aber nicht krampfhaft versuchen „Wunder herbeizuzaubern“, wo es keine Wunder gibt. Das Argument dass wir westliche Christen einfach ungeistlich sind – und deshalb keine Wunder erleben – ist blödsinn. Der Herr gibt Gaben und Wunder, wie er will.
3. Habt ihr schon einmal gemerkt, wie persönlich manche dieses Thema nehmen? Als ob es darum geht, den heiligen Gral des Christentums zu beschützen. Wehe, man kritisiert! Wehe man sagt, dass die Anzahl der Wunder abgenommen haben.
ben 9:53 on 2 Juni, 2006 | #
Hi Danny,
zu deinen 3 Punkten hab ich auch noch ein paar Gedanken
ad 1. find ich gut
ad 2. Das Argument „Der Herr gibt Gaben und Wunder, wie er will“ ist auf der selben Logik aufgebaut wie „Gott erwählt, also brauchen wir keine Mission“.
Das Problem liegt vielleicht auch noch auf einer anderen Ebene: Wir machen als Christen oft nur das, was wir als Nichtchristen auch tun würden, nur halt in einer „christianisierten Fassung“. Und weil wir im normalen Leben nicht mit irgendwas übernatürlichem umgehen, tun wirs im Geistlichen auch nicht. Wenn sich aber z.B. ein Schamane bekehrt, dann sieht der nachher immer noch Dämonen und treibt sie halt dann nicht mehr ein, sondern aus. Vielleicht hängt damit die Tatsache zusammen, dass man von Afrika, Südamerika und Asien die abstrusesten Wundergeschichten hört, aber halt nicht von Mitteleuropa.
Und wenn die Anzahl der Wunder bei uns abgenommen hat, dann ist das vielleicht nicht Gottes Schuld, sondern doch unsere?
Danny 11:28 on 2 Juni, 2006 | #
Super Gedanken! Und das von einem Österreicher
Österreich hat eine Zukunft!
Ich habe ein Problem mit: wenn wir geistlicher wären, gäbe es mehr Wunder. Das glaube ich nicht. Wer das Neue Testament kennt, weiß, wie ungeistlich die Urgemeinde war. Ich denke dass Anfangs die flashbang-Gaben von Gott gegeben wurde, um der Gemeinde einen kickstart zu geben (wie das heutzutage oft bei Gemeindegründungen in unerreichten Ländern/Stämmen gibt). Später im Neuen Testament lesen wir weniger von Wundern, Zeichen und Prophetien. Ein Zufall?
francis 1:57 on 3 Juni, 2006 | #
also ich denke, dass es schwierig ist, afrikanische und asiatische verhältnisse aus europäischer sicht zu bewerten. ganz einfach auch deshalb, weil ich mir sehr unsicher bin, was dort wirklich geschieht. neben den euphorischen bekehrungs- und wunderberichten der christlichen presse, gibt es nämlich auch eine reihe von veröffentlichungen, wo es mir echt kalt den rücken runterjagt. den viele afrikaner und asiaten befassen sich neben dem christlichen glauben ja immer noch mit ihren alten okkulten praktiken und integrieren sie teilweise in ihre gemeinden. geschehen dann wunder, kann man die aus europäischer sicht ja kaum noch einschätzen. wirkt da jetzt gott? oder irgendein animistischer dämon oder fluch?
dass wir allerdings kaum noch wunder erleben, könnte wirklich ein wenig an uns liegen. unsere kühle anti-haltung gegen alles übernatürliche verhindert ja oft die indentifikation von wundern – die werden dann „schicksal“ oder „zufall“ zugeschrieben. könnte auch sein, dass durch eine solche anti-haltung die allgemeine anzahl der wunder abnimmt. oder wir als europäer sind einfach nicht so sehr dazu bestimmt, so viele wunder zu erleben? das weiß nur Gott.
ben 2:24 on 3 Juni, 2006 | #
danke für die blumen.
ich glaube nicht, dass es was mit geistlich oder nicht geistlich zu tun hat. Ich denke, es geht eher in die Richtung: Lass ich mich darauf ein? Streck ich mich danach aus? Bin ich bereit, da zu lernen? Glaub ich daran? (Mt 13:58 – Jesus konnte nicht so viele Wunder tun – wegen deren Unglauben)
Im Endeffekt hast du eh recht damit, dass die Liebe das größte ist und die besonderen Gaben sind definitiv untergeordnet.
Mein Problem ist nur, dass wir oft denken: haben wir nicht, brauchen wir nicht (sonst hätts uns der Herr gegeben), also probieren wirs ohne. In Missionsgebieten ist es oft eher andersrum: Man ist auf Wunder angewiesen (weil es z.B. keinen Arzt gibt) und dann bittet man Gott eher mal darum.
Kommen wir in Deutschland wirklich ohne aus, oder bilden wir uns das ein?
Und das mit dem NT ist nicht so ein tolles Argument, finde ich. Denn die Adressaten in den Pastoralbriefen waren halt die Jungs, die mit Paulus lange herumgezogen sind. Die haben eh den ganzen Stress mit den Korinthern etc. mitgekriegt, also musste Paulus ihnen was schreiben, worüber er noch nicht geschrieben hat. In der Apostelgeschichte findest du auch bis ins letzte Kapitel krasse Sachen.