newlifechurch
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06:22:50 on April 11, 2006 | # |
Bin gerade dabei, mich ein bißchen auf ein Evangelisations-Seminar vorzubereiten. Diejenigen, die mich kennen, werden jetzt laut auflachen. Ich bin kein Evangelist. Obwohl ich oft und gerne mit meinen Mitmenschen über Jesus rede, scheine ich nicht besonders effektiv zu sein wie Billy Graham. Naja, gut, das müssen die Leute von Seminar ja nicht unbedingt wissen
Witz beiseite…
Ich denke dass wir da alle bestimmte Vorstellungen von dem großen Wort Evangelisation haben. Geprägt durch unsere jeweilige Gemeindekultur wird sie verschiedene Formen annehmen. Ich habe da ein paar Dinge aufgeschrieben, die ich zu den sogenannten Evangelisations-Mythen zählen würde. Das sind Dinge, die wir sonst für unerlässlich für evangelistische Gespräche halten, die aber entweder auf vergangene Generationen gemünzt wurden (und die heute nicht mehr „funktionieren“) oder die total unbiblisch sind.- Überzeugungskraft bringt Lebensveränderung
Zugegeben habe ich apologetische Gespräche gerne, wo es darum geht, die Fakten des Glaubens zu verteidigen oder zu erläutern. Meine Bücherregale stehen voll mit Büchern von Josh McDowell und anderen dicken Wälzern, die die Rationalität des Glaubens aufzeigen wollen. Und so denke ich oft, dass ich meinem Gegenüber einfach nur die richtigen Argumente bringen muss, damit er sich für Jesus entscheidet. Man würde z. B. die Historizität der Auferstehung aufweisen oder den philosophischen Unterschied zwischen einem Leben, dass aufrund eines atheistischen Weltbildes und dem christlichen Weltbilds geführt wird.
Das Problem ist, dass wir heutzutage immer mehr nach dem entscheiden, was unser Herz – und nicht unser Hirn sagt. Wie oft ich mit jemandem diskutiert habe, ich diese Person faktisch überzeugt habe, aber keine Lebensveränderung kam. Warum? Weil Fakten keine Lebensveränderung bringen. Jesus bringt Lebensveränderung. Bei manchen Menschen (heutzutage eher die Minderheit) werden Fakten vielleicht noch dazu beitragen. Aber bei den meisten nicht mehr.
- Lebe – und der Rest kommt von alleine
Ihr kennt ja den alten Spruch: „Predige das Wort – und benutze Worte, wenn nötig.“ Ich glaube dass dieser Satz wirklich von vielen gut gemeint ist. Es sollte keinen Unterschied zwischen unserem Leben und unserem Reden geben, was aber leider oft der Fall ist. Aber ein Leben alleine wird’s nicht bringen. Christliche Spiritualität geht immer vom Wort und von Worten aus. Paulus packt das Thema in Römer 10,14-15 an:
Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«
Ich glaube dass das Argument „Lebe wie Jesus, dann werden die Leute sich automatisch fragen, warum du anders bist“ vielleicht etwas zu naiv ist. Natürlich sieht ein Leben mit Jesus anders aus. Natürlich wird es einen Unterschied machen. Aber wir leben in Zeiten, wo jeder anders ist als der andere. Jeder hat seine Philosophie, seine Religion und seinen Glauben. Und es gibt viele Leute – wie ein Arbeitskollege von mir – die wirklich gut leben, aber Jesus nicht haben. Keiner fragt sich, warum er anders ist. Glauben kommt vom hören. Evangelisation ist das „Maul“ aufzumachen. Das Leben, die eigenen Enttäuschungen und Siege zu teilen.
Ich denke dass sich viele von uns wegen des Evangeliums schämen. Natürlich würden wir das niiiieee zugeben. Aber wir wissen ganz genau, dass wir in den Augen unserer coolen, hippen und stylischen Freunden das Gesicht verlieren würden. Es ist ja schon oft genug dass man über „Gott“ redet – das kann mittlerweile nun jeder, ohne gerügt zu werden – aber wir kommen ins schwitzen, wenn wir das J-Wort benutzen müssen.
- Menschen sind keine Evangelisationsopfer
Natürlich sind sie das! Was denn sonst? Jeder Tag, den man ohne Jesus lebt, ist von der Ewigkeit her gesehen ein verschwendeter Tag. Nach all den Jahren bin ich fest der Überzeugung, dass Menschen Jesus brauchen. Ich glaube daran, dass wir ohne Jesus verloren sind.
Ok, vielleicht ist das Wort „Evangelisationsopfer“ vielleicht etwas zu polemisch und platt. Natürlich haben die Menschen ihren Wert als Imago Dei – und sollten nicht als Objekte behandelt werden. Aber wir würden gut tun, unsere Umwelt so zu sehen, wie sie ist. Gott fern. Und wir sollten unser bestes geben, das zu ändern.
Weiter im nächsten Post…
Man muss weit fortgeschritten sein
Hauptsache Gott
Bloß keine Verpflichtungen
Es gibt so-und-soviele Schritte
Veränderung kommt über Nacht



Thomas 10:58 on 12 April, 2006 | #
Sehr gut auf den Punkt gebracht. nicht lange rumgeschwafelt
Zu Punkt 1: richtig, dass argumente alleine nichts bringen. hab ich selbst erlebt. die leute müssen jesus selber erleben.
frage: was kann man den „opfern“ raten, wie kann man ein veränderndes erlebnis „fördern“? (ich weiß: „machen“ kann man sowas nicht)