Soomas altes Blog

newlifechurch

  • 07:25:13 on April 7, 2006 | # | 2

    Buddy JesusJa, es ist mal wieder fast Osterzeit. Irgendwas „geistliches“ müssen die Medien ja bringen. Dieses mal lesen wir von Judas Iscariot, der – entgegen der Bibel und der christlichen Tradition – anscheinend doch nicht ein Schurke war. Es geht um das Judas-Evangelium, das man in den 70ern gefunden hat:

    Der Text sei authentisch, sagte Oort. Er belege, dass Jesus in Judas sogar seinen besten Gefolgsmann gesehen habe. Er habe ihn aufgefordert: „Du musst den Menschen opfern, der mich umhüllt.“ Der wahre Jesus sei die Seele. „Judas befreite Jesus, indem er ihn auslieferte“, sagte Oort. Auch das in der Bibel gebrauchte griechische Wort für aushändigen oder übergeben werde nur in Verbindung mit Judas mit „verraten“ übersetzt. „Wenn man das „Judas-Evangelium“ liest, versteht man, dass dies nicht mehr aufrecht zu erhalten ist“, sagte Oort. (link)

    Es blühen momentan die interessantesten Jesus-Stories auf. Entfacht durch The Davinci Code von Dan Brown, haben Menschen wieder Interesse an diesem Jesus bekommen. Natürlich nicht den echten Jesus, den es schon immer gibt, der ist ja bekanntlich zu langweilig, sondern den feministisch-verheirateten-pilzrauchenden-in Indien gestorbenen-Hasch-Jesus. Judas wird zum Helden. Jesus war bloß ein verirrter Mensch gewesen, der es gut gemeint hat, aber am Ende verloren hat. Er hatte keine Ansprüche an die Menschheit. Er war Vegetarier. Er war der erste Buddhist und plädierte für einen Kaffee, der fair gehandelt wird. Seine anti-Microsoft Lebensregel ist für alle von uns wichtig, die gerne einen Hauch „Spiritualität“ zu ihrem doppelten Starbucks Latte Macchiato haben wollen

    Das coole an Jesus ist sein Gnostizismus. Gesprochen knosti-ziss-muss.

    Laut des Judas-Evangeliums war Judas der Held einer tragischen Geschichte, in dem er seinen alten Freund Jesus einen Gefallen tat: ihn zu verraten. Jesus wollte sich seines Körpers entledigen. Spätestens müsste es jetzt DIIINNNGG in deinem Kopf machen: „hey, das ist doch gnostisch“. Ja, der Gnostizismus ist eine Art christlicher Esoterik. Der Geist muss vom Gefängnis Körper befreit werden. Die Frauen sind gut, die Männer böse. Also total dualistisch – schwarz gegen weiß, Satan gegen Gott, gut gegen böse. Yin Yang. Gott ist gut – aber auch böse. Durch Meditation, Askese oder Ausschweifungen nähern wir uns dem Licht und verschmelzen mit Gott.

    Also, das ist viel cooler als Jesus, der Leute auffordert ihr Leben zu verändert und der Leute in die Hölle schickt, die böse sind. Das dachten die damaligen Gnostiker auch. Sie vermischten ihre Philosophie mit dem Christentum, so wie’s viele von uns heute auch tun (der revolutionäre Jesus, der politische Jesus, der pazifistische Jesus, der fundamentalistische Jesus). Und dieser neue Jesus törnt uns total an, weil er nicht so langweilig ist wie der „alte“.

    Davinci CodeZugegeben habe ich Dan Browns Buch verschlungen. Kein Wunder, dass es so viel verkauft worden ist. Packende Story und eine fette fette Verschwörungstheorie, so wie wir’s auch von Bücher über den christlichen Glauben erwarten. Die Kirche ist falsch, korrupt und möchte die Wahrheit unterdrücken. Echt gutes Zeug. Aber es ist bloß Fiktion. Nicht echt. Aber viel spannender als die Realität – deshalb lieben wir Verschwörungstheorien aller Art.

    Die Gemeinde sollte keine Angst vor diesem Buch haben. Es ist ne tolle Gelegenheit, Jesus wieder ins Gespräch zu bringen. Man muss über Jesus reden. Die Argumente sind ziemlich leicht zu entkräften.

    Und so amüsieren wir uns an diesem neuen Jesus sprichwörtlich zu Tode. Wenn Jesus langweilig geworden ist, ohne genug Pep, Stil oder Kreativität – dann haben wir unser Universum auf den Kopf gedreht…. Wenn Jesus seinen wahren Biss verloren hat, haben wir unserer erste Liebe verloren und den Sinn unseres „Christ“seins verloren.

    Faszinierend ist die Begegnung, die der alte Apostel Johannes mit Jesus hatte. Die Begegnung war so krass, dass er vor Angst auf dem Boden krach. Er war nicht mehr so wie früher:

    Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seine Füße. Aber er legte seine rechte Hand auf mich und sagte: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und bin lebendig für immer und ewig! Ich habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs.

     

Comments

  • kairology » Blog Archive » Danny meldet sich wieder zu Wort 6:48 on 19 April, 2006 | #

    [...] In den letzten Wochen ist es ruhiger geworden auf Dannys Blog, doch nun hat er wieder zugeschlagen. Mit einem herrlich sarkastischen Post über "den echten" Jesus, der – wie jedes Jahr – auch dieses Jahr zu Ostern entdeckt worden ist. [...]


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