newlifechurch
-
05:35:47 on April 26, 2005 | # |
Ich hoffe, dass ich euch in den letzten Posts mein Plädoyer für das Predigen mitbekommen habt. Nun möchte ich meinen letzten Grund erörtern und euch abschließend noch einige Gedanken mitgeben. Versteht mich nicht falsch, ich sehe mich in dieser Sache nicht als Experte. Ich genieße momentan auch noch den Luxus, nicht jeden Sonntag predigen zu müssen. Es ist noch relativ leicht für mich, Texte auszusuchen, die passen und Gedanken zu finden, die mir so durch den Kopf gehen…
Wieso ich gerne “predige”: Weil Gott dadurch an mir arbeitet
Die ganze Arbeit an einer Predigt – also das Meditieren über einen Text, die Suche nach dem “big picture” und nach passenden Illustrationen – schenkt mir viel Freude. Während der Vorbereitungszeit merke ich, dass auch Gott während dieses Prozesses an mir arbeitet und mich oft zur Umkehr bewegt, wenn er etwas in meinem eigenen Leben anspricht, was schief läuft. Gott gibt mir ein Herz dafür, was ich sagen werde. Er macht mich und das, was ich sagen will eins. (Wahrscheinlich der größte Beweis, dass ich noch ein Hobbyprediger bin).
Ein kleines Geheimnis, das ich mit euch teilen will (erzählt es bitte nicht weiter
: Wenn ich vorne stehe, die Bibel aufmache und davon spreche, was Gott mir auf’s Herz gelegt hat, gibt es oft Momente, wo Gott dann solo fliegt. Das hört sich verrückt an: ich beobachte selbst meine Predigt. Während ich predige nehme ich mir Zeit, die Leute anzuschauen und bin innerlich ganz relaxed. Die Worte fließen automatisch. Ich werde zu meinem eigenen Zuhörer und wache erst auf, wenn ich mein eigenes “Amen” gesprochen habe und bete. Das ist etwas eigenartiges und passiert öfters.Vielleicht ist das der größte Grund, wieso ich überhaupt etwas vom Predigen halte. Gott benutzt Menschen wie mich, um zu sprechen. Nicht auf irgend einer komischen Benni Hinn Art und Weise. Wenn wir das Predigen abschaffen, und zu 15minütigen “Andachten” (oder schlimmer noch: “Impulse”) übergehen, vergessen wir den ganzen Sinn. Wenn wir zu perfekt polierten Plastikpredigten übergehen, nur die Bedürfnisse der Leute sehen und an den Bedürfnissen Gottes mit uns Leuten vorbeigehen, vergessen wir den ganzen Sinn.
Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte! (1Kor 9,16)
Wehe uns, wenn wir Gottes Worte nicht weitergeben.

Müssen wir die Art und Weise unser Predigten neu überdenken? Auf jeden Fall. Semper Reformanda – wir sollten ständig dabei sein, uns zu neu zu reformieren.
Hören wir auf mit dem “predigen”? Nein. Ohne Worte keine Gläubigen und kein Glauben. Nenne es wie du willst, aber wir sollten gehörigst unseren Mund in Liebe und Wahrheit öffnen.
Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! (2Tim 4,2)
Lasst uns eine Generation werden, die dafür bekannt wird, Gottes Worte zu sagen. Lasst uns eine Generation sein, die auch anderen Leuten beibringt zu predigen. Und lasst uns eine Generation sein, die durch das, was wir sagen, selbst verändert werden.
Einige gute Ressourcen zum Thema aus dem Web, leider nur alle auf Englisch (habt ihr vielleicht gute ergänzende Deutsche Sites??):
Postmodern Preaching Website (Das Predigen in der Postmoderne. Gute kompakte Hinweise, lohnt sich zu schnuppern)
Predigten von Mark Driscoll. Wieso kürzer predigen, wenn man auch länger predigen kann? Ich liebe Mark.
Younger pastors ask: Is preaching out of touch? Toller Artikel über die Emerging Church und das Predigen.


